Giant Trance X4


Auf der Suche nach einem neuen bike landete ich im Herbst 2011 nach reiflichen Überlegungen beim Giant Trance X4. Durchweg gute Bewer-tungen der Fachpresse, der allseits und weltweit gelobte Maestro-Hinter-bau, ein Fox-Fahrwerk gepaart mit einem echt coolen Design und nicht zuletzt ein äußerst attraktiver Internet-Preis sorgten für den Mausklick, der das Trailbike in den Warenkorb beförderte.
Nie live gesehen, nie angefasst, keine Probefahrt. Konnte das gutgehen?

Probefahrt im Teutoburger Wald

Geht gut!
toller Rahmen
Maestro-Hinterbau
Fox-Fahrwerk 
wendig im Trail
Flaschenhalter!

Geht so...
teils schwache Parts
Pedalaufsetzer bei viel SAG

Geht gar nicht!
Schwabbel-Griffe
schmaler Lenker
Fettes Geröhr, geiler Rahmen – cool!
Technische Daten
Rahmen
Trance X AluxX SL Aluminium, FluidForming™, 127mm Maestro, navyblue metallic
Gabel  
FOX 32 F125 RL, konischer Alu-Schaft,15mm-Steckachse
Dämpfer  
FOX Float R BellVille
Lenker, Vorbau, Sattelstütze
Giant Connect
Sattel
fi'zi:k Gobi XM
Antrieb
Shimano Deore/SLX-Mix
Bremsen
Shimano M445, hydraulische Scheibenbremse, 180mm
Kasette
Shimano Alivio HG50-9f.
Tretlager
Shimano BB86 Press-Fit
Laufräder
Felgen:  Giant S-XC2
Naben:  Giant Tracker 15QR
Reifen  
Schwalbe Nobby Nic Perform.
Gewicht
ca. 13,5 kg bei XL (52cm)
UVP
1799,-
Optik und Haptik
Die Vorfreude beim Empfang eines bike-Paketes ist ja fast schon das Schönste „von’s janze“ – wie sieht das Ding aus?, ist auch alles heile?, was wiegt es?, war das wirklich der passende Kauf? Mann, ist das spannend!! Und: Hatte ich bei der Bestell-ung noch gedacht, dass das X4 schwarz ist, wurde mir bei ei-nem Telefonat nach der Bestellung gesagt: „Nene, das ist mari-neblau.“ Ach du Schreck! Der Schreck sollte sich jedoch in pure Begeisterung wandeln, denn das metallisch schimmernde blau ist dermaßen schön, dass man das X4 am liebsten sofort mit einem „Bitte nicht anfassen!“-Schild in die Vitrine stellen möch-te. Ein Traum – und kommt leider auf keinem (!!) Foto rüber, muss man live sehen.
Und der Rahmen selbst? Ein Knaller!! Ein fettes, mordsmäßig vertrauenerweckendes Unterrohr aus der Hydro-Quetsche mit Pressfit-Innenlager, konischem 1,5 zu 1 1/8 Steuerrohr, Post-mount-Bremsaufnahme, flaschenhalter-tauglich und bereits mit Ösen für eine spätere Nachrüstung einer versenkbaren Sattel-stütze versehen. Das ganze mit großen, weißen Decals verziert - bitte nicht anfassen!
Leider ist die Ausstattung eher etwas schwachbrüstig, Alivio-Kassette, Deore-Parts, Schwalbes Performance-Reifen – das ist des tollen Rahmens eigentlich unwürdig. Es funktioniert zwar alles, drückt aber auch etwas auf die Waage, so dass deren Zeiger erst bei deutlich über 13 kg zum Stillstand kommt. Somit stellt sich ein gewisser Pimp-Wunsch ein...

Fahren
Der erste Eindruck ist eher durchwachsen: Der Lenker ist mir mit 670 mm einfach zu schmal und bewirkt ein leicht nervöses, kippeliges Lenkgefühl. Zudem sind die Griffe viel zu weich, sor-gen für ein schwammiges Feeling und taugen maximal für Trek-kingrad-Touren. Pimp my Lenker! Also einen 715er Truvativ mit festen Schraubgriffen verbaut und siehe da: Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Es stellt sich ein souveränes Lenkverhalten ein, das bike wird super dirigierbar und bekommt ein top Handling! Was 45 mm so ausmachen können! Es kommt eben doch auf die Länge, äh, Breite an!

Bei korrekt abgestimmten Dämpfer, also 25-30 % SAG, arbei-tet der Maestro-Hinterbau mit seinen 127 mm Hub eher straff und gibt ein klar-definiertes Feedback vom Untergrund an den Fahrer weiter, nutzt so aber erst bei größeren Brocken sein vol-les Potential. Die Zugstufe ist dabei die einzige Verstelloption, die der Fox bietet. Und diese arbeitet gewohnt super – ein paar Klicks und schon federt der Hinterbau sauber kontrolliert in die Ausgangsposition zurück. Dank des nahezu antriebsneutralen VPP-Hinterbaus vermisst man auch weder eine verstellbare Druckstufe, noch eine Plattform oder eine Blockierung. Will man es eher weich haben, muss man den SAG Richtung 35 % erhö-hen, braucht dabei aber etwas Feingefühl, um keinen Federweg zu verschenken, da man Gefahr läuft, dass der Hinterbau zu schnell durch den mittleren Hub rauscht. Zudem sind dann gelegentliche Pedalaufsetzer nicht zu vermeiden. So aber kann man das bike von XC-straff zu trailmäßig fluffig abstimmen.
Fox-typisch verschenkt die extra für Giant auf 125 mm aufge-bohrte Gabel zwar etwas Hub im mittleren Bereich, spricht aber auch genauso Fox-typisch perfekt auf alles an, was sich ihr da so in den Weg legt. Eine fein justierbare Zugstufe sorgt für Ruhe beim Downhill, bei längeren Flachetappen kann man die Gabel blockieren.
Erstaunlich gut schalten die Deore-Hebel, die zudem sauber „in der Hand liegen“. Es muss halt nicht immer Kaviar sein!
Aber auch nicht zwingend nur Leberwurst-Brot – so könnte man die Bremse beschreiben: Sie ist OK, sie bremst, aber sie bringt einen jetzt nicht gerade zum Jubeln...
Alles in allem fährt sich das X4 dennoch echt klasse: Wenn-gleich es keine Bergziege ist, klettert es doch mit etwas Kör-pereinsatz willig alle Steigungen hoch. Seine Stärken liegen aber eher im Downhill und im Trail – da flitzt es mächtig agil und sicher um die Ecken, da können der Fox-gefederte Maestro-Hinterbau und die Gabel ihre Stärken ausspielen und lassen es auch bei Highspeed brettsicher gen Tal rauschen! Das macht echt Spaß und prädestiniert das X4 zum Trailbike mit deutlichen Abfahrtsgenen. Bei nur 1499,- €, die ich gezahlt hatte, bleibt dann auch ein Taler zum Pimpem übrig...
Beim obligatorischen Treppentest...
Maestro-hafter Hinterbau, 127 mm.  Die Bremse ist nicht so maestro...
von oben nach unten:
Lenker - zu schmal
Griffe - zu schwammig
Ösen für eine versenkbare Sattelstütze - schon dran